[Rezension] Lippels Traum

Titel: Lippels Traum
Autor: Maar, Jeff
Genre: Kinderbuch
Verlag: Oetinger
Wertung: ★★★★★
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Manchmal muss ich ja schon schmunzeln, wenn ich so manche Kundenbewertung lese. Bei Lippels Traum ist eine Amazon-Rezension besonders auffallend, weil dort mit Kundenbildern auf ein „fragwürdiges Lehrmaterial“ hingewiesen wird.

Stereotypen

Direkt vorab: Dieses Buch ist kein Lehrmaterial, sondern ein Kinderbuch. Der Stein des Anstoßes ist aber (u.a.) dieses Zitat:

„Aber das sind ja Ausländer, oder?“, fragte sie.
„Ja, es sind Türken“, sagte Lippel.
„Türken? Die kommen mir nicht ins Haus!“, sagte Frau Jakob energisch.

Ist das Buch deswegen rassistisch oder fragwürdig? Nein, natürlich nicht, denn Paul Maar nutzt hier einfache Stereotypen, um zu zeigen, welche Art von Menschen es in unserer Gesellschaft gibt. Frau Jakob ist dabei nicht nur rassistisch, sondern hat auch sonstige Vorurteile, vor allem gegenüber Kindern.

Dass gerade sie von Lippels Eltern ausgewählt wurde, um auf ihn während ihrer Abwesenheit aufzupassen, ist Lippels Pech, aber des Lesers Glück. Frau Jakob verbietet nämlich Lippel zu lesen (auch das nicht unbedingt pädagogisch wertvoll) und so muss Lippel eine angefangene Geschichte aus dem Buch „Tausendundeine Nacht“ selbst erfinden.

 

Abenteuer

Das Besondere dabei: Lippel ist ein Klarträumer. Und so denkt er sich nicht nur seine Geschichte aus, sondern er träumt sie. Und das ist der eigentliche Clou in diesem Buch. Es kommen nämlich nicht nur klar ab- und vorgezeichnete Charaktere zum Einsatz, diese handeln auch sehr eindeutig und somit nach dem Schema „Gut vs. Böse“.

Dadurch ist dieses Buch meiner Ansicht auch schon für jüngere Kinder als Zehnjährige geeignet (natürlich in Abhängigkeit von der Leseerfahrung und -interessen des Kindes).

In diesem Traum erlebt Lippel seine eigene Geschichte aus „Tausendundeiner Nacht“, wodurch das Buch zu einer spannenden Abenteuergeschichte wird. Einige s/w-Illustrationen untermalen das Erzählte, wobei mein Sohn diese eher durchschnittlich fand.

 

Fazit

Selbstverständlich bedient sich das Buch vorgefertigten Charakteren, aber vor allem bei Kinderbüchern ist das ein probates und angebrachtes Mittel. Dadurch wird das Buch gerade für Kinder sehr zugänglich.

Dabei ist das Buch sehr kindgerecht geschrieben, so dass es sich auch für Selbstleser eignet. Es bietet ausreichend Spannung, ohne die Kinder zu überfordern. Meinem Neunjährigen hat das Buch sehr gefallen und er gibt dem Buch die volle Punktzahl.

 

Das Buch wurde übrigens verfilmt. Auch wenn ich kein Freund deutscher Verfilmungen bin, so wurde das Buch wirklich sehr gut umgesetzt. Es wurde zwar das ein oder andere Detail ausgelassen, der Film ist aber allein schon wegen Anke Engelke als Frau Jakob sehenswert.

Den Film gibt es aktuell bei Amazons Prime Video zu sehen, für Prime-Kunden bekanntlich im Jahresbeitrag enthalten.

 


Für einen ersten Leseeindruck empfehle ich die Amazon-Direktvorschau:


 

Wer die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht im Original lesen möchte, dem empfehle ich 1001 Nacht – Tausendundeine Nacht: vollständige Ausgabe mit über 700 Illustrationen. Es handelt sich hierbei um eine vollständige Ausgabe, die sich eng am arabischen Original orientiert.

 


 

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