Der dunkle Turm als Graphic Novel – Eine Frage des Formats

Das Taschenbuch im Vergleich zur gebundenen Ausgabe

Zum heutigen Kino-Start der Verfilmung von „Der dunkle Turm“ von Stephen King, kommt nun mein vorerst letzter Beitrag zur Graphic-Novel-Reihe (zumindest bis zum Release des nächsten Bandes), die sich dem dunklen Turm von einer anderen Seite nähert.

Unterschiedliche Buchformate

Der Dunkle-Turm-Zyklus von Stephen King ist eines der Lebenswerke des Vielschreibers. Die Romane haben ihn mindestens 30 Jahre lang beschäftigt, der dunkle Turm selbst dürfte ihn vermutlich nie loslassen. Ich persönlich teile ein wenig dieses Schicksal, nur „von der anderen Seite“ – nämlich als Leser. Habe ich die ersten Bücher noch kurz nach der (deutschen) Veröffentlichung gelesen, habe ich eine Pause eingelegt (ebenso wie King sich für die Folgeromane teilweise sehr viel Zeit gelassen hat).

Anschließend habe ich 2013 alle Bücher nochmals als Hörbücher gehört. Insgesamt 7 Tage reine Hörzeit. Um das zu hören habe ich in Summe ganze drei Jahre benötigt, wobei ich auch hier immer wieder mal eine Pause eingelegt oder ein anderes Hörbuch eingeschoben habe.

Um mir die Wartezeit auf den Kinofilm ein wenig zu versüßen, habe ich mich dem dunklen Turm erneut genähert. Dieses Mal in Form der Graphic Novel Reihe (zur Übersicht aller erschienen Bände). Wer es mir gleichtun möchte, der hat die Wahl zwischen verschiedenen Formaten: Taschenbuch, E-Book oder gebundenes Buch. Selbstverständlich habe ich die ganze Reihe nicht in dreifacher Ausfertigung vorliegen. Vielmehr habe ich unterschiedliche Bände in unterschiedlichen Versionen entweder gekauft oder diese wurden mir von den Verlagen zur Verfügung gestellt.

Qualität der Bindung

Fängt der Leser zum jetzigen Zeitpunkt an, die Buchreihe zu lesen, so wird er eventuell etwas verwirrt sein. So gibt es Bücher aus den Verlagen Panini, Heyne und Splitter.

Widme ich mich zuerst den Büchern, auf denen zumindest Heyne aufgedruckt steht, diese allerdings mittlerweile ebenfalls von Panini vertrieben werden. Es sind lediglich die Bände 2, 3 und 4, die aus dem Heyne-Verlag stammen und dadurch anders gebunden und gedruckt sind.

Bedauerlicherweise ist die Bindung der beiden Bände 1 und 5 von geringerer Qualität, so dass sich teilweise Seiten lösen oder die Bindung als solches dich auflöst. Dass die Taschenbücher in unterschiedlichen Druckereien entstammen, erkennt man daran, dass die Heyne-Bücher in Deutschland, die Panini-Bücher in Italien gedruckt wurden.

Allerdings haben die Taschenbuch-Ausgaben ab Band 6 keinerlei Qualitätsprobleme, so dass es sich offenbar nur um die beiden Bände zu handeln scheint.

Sammlerwert

Wer viel Wert auf eine hochwertige Sammlung legt und nicht nur der Geschichte folgen möchte, der muss sich zwingend dem Splitter-Verlag zuwenden. Sind die Panini-Bücher nämlich durchweg Taschenbücher, so vertreibt der Splitter-Verlag die Reihe als gebundenes Buch. Ein Unterschied, der sich deutlich bemerkbar macht.

So werden diese Bücher nicht nur mit einem Hardcover geliefert, sondern werden zugleich in einem sog. Überformat gedruckt. Damit sind die Bücher deutlich größer als die Taschenbücher und machen sich in einem Bücherregal sicherlich deutlich besser.

Allerdings betrifft dies nur die Optik. Die Bücher in den unterschiedlichen Formaten sind ansonsten inhaltsgleich.

E-Book

ddt-leseprobe

Der Screenshot der frei verfügbaren Amazon Leseprobe des zweiten Bandes zeigt das Dilemma des E-Books – die Doppelseite wird im Kindle Cloud Reader nicht korrekt angezeigt.

Wer sich gar nichts aus den gedruckten Büchern macht und eher auf den Preis schauen muss, der wählt lieber das E-Book. Hier ist die Bindung nicht von Belang, aber man hat natürlich nichts für das Bücherregal. Es versteht sich denk ich von selbst, dass eine Graphic Novel nicht unbedingt für einen Kindle oder ähnlichen E-Book-Reader gedacht ist, der Grafiken lediglich in schwarz-weiß anzeigen kann.

Auf einem Kindle macht das Lesen gar keinen Spass. Auf dem Tablet nur unwesentlich mehr.

Wer die Graphic Novel als E-Book lesen möchte, benötigt zwingend ein Tablet oder liest am Monitor. Dabei gilt natürlich, je größer der Bildschirm und je mehr Pixel er darstellt, desto besser und umso mehr Spaß bereitet das Lesevergnügen. Ich rate von den 7″-Geräten ab, auch wenn diese über ein Farbdisplay verfügen.

Wer sich für das E-Book entscheidet, muss zudem bedenken, dass eine Doppelseiten-Ansicht nicht möglich ist, so dass der Genuss der teilweise künstlerisch sehr wertvollen Bilder verdorben wird. So manches Bild (vor allem der ersten Bände) ist in meinen Augen ein Kunstwerk, das man einfach nicht in zwei Teilen in seiner Gänze erfassen kann.

Diese Einschränkung gilt zumindest für die Kindle-Version. Andere Versionen aus anderen Shops habe ich nicht testen können. Die Kindle-Version wird mit einem DRM-Schutz ausgeliefert, und mir ist kein legaler Weg bekannt, wie das E-Book mit einer Doppelseitenansicht bildschirmfüllend dargestellt werden kann. Von daher empfehle ich die E-Book-Version nicht!

Wer die Graphic-Novel digital lesen möchte, der wende sich bitte an die Verlage, die evtl. andere Formate bereitstellen können.

Fazit

Der interessierte Leser hat die Qual der Wahl. Ich selbst bin zwar ein Freund von E-Books und digitalen Büchern, aber zumindest hinsichtlich der Kindle-Version funktioniert das Lesen aufgrund der fehlenden Doppelseitenansicht nicht. Zu viele Informationen gehen verloren und der Blick auf das große Ganze (in diesem Fall bitte wörtlich nehmen) schmälert den Lesegenuss.

Kostenbewusste Leser greifen dann lieber zur Taschenbuchausgabe, auch wenn sie sich dann bei mindestens zwei Bänden darauf einstellen müssen, dass die Bindung nicht einwandfrei alle Seiten beisammenhält.

Wer das nötige Kleingeld und eine entsprechende Sammlerleidenschaft besitzt, der greift eindeutig zur gebundenen Version. Die machen Spaß zu lesen und machen sich zudem auch gut im Bücherregal.

 


3 responses to “Der dunkle Turm als Graphic Novel – Eine Frage des Formats”

  1. […] in denen Grafiken eine Rolle spielen fallen da ebenso drunter (siehe auch den Beitrag „Eine Frage des Formats„) wie auch viele Bildbände und Lexika. Da liegt es in der Sache der Natur, dass […]

  2. Nenatie sagt:

    Hallo Frank,

    ein sehr hilfreicher Beitrag! Danke dafür! Ich bin bei den Büchern bei Band 4, leider bin ich nicht so der Fan von Kings ausschweifendem Stil. Ich hatte mir auch schon überlegt die Graphic Novels zur Reihe zu lesen, aber als „Neuling“ ist man da leicht überfordert mit den ganzen unterschiedlichen Formaten! Jetzt weiß ich mehr und kann mich einfacher entscheiden 🙂

    LG
    Nenatie

    • frank sagt:

      Hallo Nenatie,

      das freut mich, dass Dir die Übersicht geholfen hat. Ich selbst finde es verwirrend, dass vor allem die neueren Bände aus den beiden Verlagen Panini und Splitter getrennt angezeigt werden. Das hätte man sicherlich einfacher lösen können.
      Empfehlen kann ich die Reihe durchaus.

      Viele Grüße
      Frank

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