Hexenherz. Eisiger Zorn ★★★★☆

Interessant: Eine Welt, in der die Frauen, die im Mittelalter als Hexen angeklagt wurden, gemerkt haben, dass sie tatsächlich magiebegabt sind. Interessant, dass diese Magiebegabung mit der Fruchtbarkeit der Frau einhergeht. Ist sie nicht fruchtbar, ist sie noch nicht oder nicht mehr magiebegabt. Interessant, dass die Frauen die Macht in Europa übernommen haben. So werden nicht nur die Frauenquoten der Neuzeit hinfällig, sondern der Leser wird sogleich damit konfrontiert, wie die Welt aussähe, würden sie nicht von Männern in Führungsebenen dominiert.

Keine Weiterentwicklung?

Okay, nein, letzteres irgendwo dann doch nicht. Denn während ich das Buch gelesen habe, so ist mir nie die Frage aus dem Kopf gegangen, warum sich die Welt innerhalb von 500 Jahren kaum verändert hat. Denn das Buch ist 2004 angesiedelt, liest sich aber wie ein Mittelalterroman.

Auch wenn es magiebegabte Hexen sind, die ab dem 16. Jahrhundert die Herrschaft in Europa an sich gerissen haben und vermutlich so manche Erfindung hinfällig wurde, weil es sich einfach erzaubern lies, so klingt es wenig wahrscheinlich, dass das Streben der Menschen nach Verbesserung vollständig eingedämmt wurde.

Hinzu kommt, dass nur Europa von den Hexen beherrscht wird. Die anderen Kontinente nicht. Das passt in meinen Augen nicht. Rein gedanklich hat dieser Roman irgendwo im 17. Jahrhundert gespielt, denn von der Beschreibung her passt er genau dorthin. Zudem wird nur an sehr wenigen Stellen darauf hingewiesen, dass er 300 Jahre später spielen soll, so dass der Umstand schlussendlich nur ein bisschen gestört hat.

Licht und Schatten

Das Buch bleibt während der gesamten Erzählung bei der Hauptprotagonistin Helena, die aus der Ich-Perspektive den Leser mit in diese andere Welt mitnimmt. Vor allem der Einstieg in die neue Welt ist recht gut gelungen (wenn man von dem eingangs erwähnten Gefühl absieht). Dem Leser wird recht anschaulich und gut diese doch so andersartige Welt präsentiert.

Helena als ranghohes Mitglied der Garde wird Opfer einer Intrige und muss fliehen. Auf ihrer Flucht gerät sie in die Fänge von Rebellen, die sie in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Dieser Part ist ebenfalls sehr lesenswert und mit zahlreichen Anspielungen gespickt, die auf einige Wendungen in der Geschichte hindeuten. Die dann aber ausbleiben. Wodurch ich etwas irritiert war.

Sichtweisen

So kann ich schon fast sagen, dass die ausbleibenden Wendungen und die gewisse Vorhersehbarkeit in der Geschichte die größeren Überraschungen waren. Ebenfalls etwas störend war die Denkweise der Hauptprotagonistin. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was mich an ihrem Verhalten gestört hat. Bis ich drauf gekommen bin: sie ist das in der Rangfolge zweithöchste Mitglied in einer Garde, die als recht ruppig und rauh beschrieben wird. Helena verhält sich mal so, aber dann sehr oft wieder nicht.

Manchmal denkt und verhält sie sich wenig nachvollziehbar und für mein Gefühl zu naiv, um ein derart hohen Rang in dieser beschriebenen Welt zu belegen. Das passte irgendwie nicht zusammen.

Ebenfalls gut begonnen hat der Wechsel zwischen den Zeiten. Mit kleinen Rückblenden am Anfang eines Kapitels wird auf die Geschichte Europas zurückgeblickt und wie die Kirche und die Männer an Macht und Einfluss verloren haben. Diese Rückblenden enden allerdings Ende des 17. Jahrhunderts und es treten an diese Stelle Gesetzestexte, die seither gelten. Allerdings sind die Gesetze zum Teil zu stark überzogen und wirken etwas unpassend.

Fazit

Das Buch hat einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Es hat gut und stimmig begonnen und ich als Leser habe sehr gut in die Geschichte finden können. Dass sie sich liest, als würde sie im 17. und nicht im 21. Jahrhundert spielen, habe ich schnell vergessen. Die ersten zwei Drittel des Buchs sind wirklich gut geschrieben.

Aber dann lässt die Geschichte nach. Wendungen bleiben aus, einige Unstimmigkeiten im Verhalten der Protagonisten und der Weltbeschreibung dämmen das Lesevergnügen dann doch stark ein. Und haben bei mir ein Gefühl hinterlassen, dass die Geschichte irgendwie unrund ist.

Bei der Bewertung habe ich geschwankt zwischen einer Empfehlung für Genrefans (drei Sterne) und einer für unterhaltsame Lesestunden (vier Sterne). Es liegt irgendwo dazwischen. Es ist das Ende, das mich wieder etwas versöhnlich mit der Geschichte werden lässt und das Quäntchen auf der Waage ist. Ein Ende, das erklärt, was wirklich die Triebfeder der Rebellen ist und wo die eigentlichen Ängste der Obrigkeit liegen. Schlussendlich spreche ich eine Leseempfehlung aus.

 

Titel: Hexenherz. Eisiger Zorn
Autor: Loerchner, Monika
Genre: Fantasy
Verlag: Acabus Verlag
Bewertung: ✦✦✦✦✧

 


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