Schatten zu Licht

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Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch nicht zu Ende lese. Es tut mir um die Autoren leid, die viel Herzblut in ihr Werk legen und für gewöhnlich lese ich weiter, auch wenn das Buch nur „solala“ anfängt. In diesem Fall, es handelt sich um Schatten zu Licht von Tina May, habe ich mich bis zu Kapitel 8 durchgekämpft. Ab diesem Punkt wollte ich das Buch einfach nicht mehr weiterlesen.

Es ist das erste Buch in diesem Jahr, das ich nicht zu Ende lesen möchte. Dies hat mehrere Gründe.

Grund 1: Die Beschreibung der Welt

Das Buch beschreibt eine Welt, in der magisch begabte neben magisch unbegabten Menschen leben. Die magisch begabten Menschen müssen bei einem Lehrmeister in die Lehre gehen, um auf ihre Kräfte zugreifen zu können. Hier beginnt schon das erste Problem, denn dies ist eine Mutmaßung von mir. Beschrieben wird das nicht. Ich nehme an, dass dem so ist.

Außerdem scheinen die Magier in gute und böse Magier unterteilt zu sein. Bei den bösen macht sich das Böse durch eine Schlange im Inneren bemerkbar. Die Guten versuchen die Schlange in ihrem Inneren zu unterdrücken. Auch hier mutmaße ich, denn auch das wird nicht explizit beschrieben. Vor allem wird nicht beschrieben, ob es etwas um etwas Grundsätzliches in der Welt oder ob es sich um etwas Spezielles rund um den Protagonisten handelt.

Die Beziehung der Menschen in dieser Welt bleibt gänzlich im Dunklen. Es gibt die Lehrmeister, die in einem Gebiet wohnen. Aber sind sie dadurch auch politisch die Führer? Gibt es vielleicht noch nichtmagische politische Führungsgrößen? Teilen sich die Magier die Welt einfach nur so unter sich auf? Das komplette Konstrukt rund im die zwischenmenschlichen Beziehung bleiben vollkommen im Dunkeln. Es scheint vielmehr, als würde es sich im eine anarchische Welt handelt, in der niemand regiert. Aber warum sollten dann Dörfer existieren, die mehr produzieren, als sie selbst benötigen?

Es ist zwar vollkommen okay, dass der Leser in den ersten Kapiteln in eine vollkommen fremde Welt geworfen wird, aber danach wird nicht ein bisschen erklärt und erläutert. Der Leser tappt im Dunkeln und fragt sich mehr als einmal, wieso das jetzt einfach so passieren kann.

Grund 2: Charakterentwicklung

Der Hauptprotagonist Doriahn wird zuerst von einem guten Lehrmeister magisch ausgebildet. Aus für den Leser nicht ersichtlichen Gründen, dauert die Ausbildung mehrere Jahre. Doriahn kämpft zwar gegen das innere Böse an, aber ob nur er seine „Schlange“ im Zaum halten muss, oder ob das alle Magier machen müssen, wird nicht erklärt.

Ich vermute, dass in dem Buch beschrieben werden sollte, dass Doriahn zu Beginn sich zum Guten entwickelt, er aber im Laufe der Zeit ins Dunkel getrieben wurde. Warum dem so ist und was in ihm vorgeht, wird nicht beschrieben.

Vielmehr wird beschrieben, dass der dunkle Lehrmeister einfach den guten ermordet und sich seines Lehrlings bemächtigt hat. Warum sich der gute Lehrmeister nicht gewehrt hat, oder warum er Doriahn nicht auf das Ereignis irgendwie vorbereitet hat, ist unklar. Was beschrieben wurde, war lediglich das Wissen des Guten, dass der Böse kommen würde. Und er hatte mehrere Monate Zeit, um sich auf die Begegnung mit dem Bösen vorzubereiten.

Ebenfalls blass bleibt die Beziehung zu seinem Adler. Der fliegt einfach nur so durch die Gegend und der gute Magier hat irgendeine Verbindung zu ihm aufgebaut. Auch hier kein Wort der Vorbereitung, dass der gute Magier um die Ankunft des bösen schon lange im Voraus weiß.

Einzig Lendra, die Mutter des bösen Magiers, wird ein bisschen Leben eingehaucht, in dem etwas über ihre Geschichte erzählt wird.

Die ersten Kapitel beschreiben, wie Doriahn von Punkt A zu Punkt B gelangt. Aber auch hier erfährt der Leser nicht warum etwas passiert und was in den Darstellern vor sich geht. Als Doriahn anfängt zu morden, weiß ich als Leser nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Ich konnte während des Lesens keine Verbindung zu irgendeiner Person in diesem Buch aufbauen.

Grund 3: Wiederholungen

In vielen Erstlingswerken junger Autoren beißen sich die Protagonisten ständig auf die Lippen. Keine Ahnung warum sie das tun müssen. In diesem Buch wird sich zum Glück nur wenig auf die Lippen gebissen, dafür sind ständig irgendwelche Falten auf irgendeiner Stirn eines Menschen und Magiers. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft Falten sich auf irgendeiner Stirn auftaten, aber es war auffällig zu viel. Und dieses Beispiel ist nur eines von vielen.

Hier hätte ein (wenn auch wenigstens laienhafter) Lektor Wunder gewirkt. Oder ein unabhängiger Testleser, der sich des Gesamtkonstrukts angenommen hätte.

Fazit

Dieses Buch ist leider bisher mein diesjähriges Lowlight. Dem Leser erschließt sich weder die Welt rund um Magier und Nicht-Magier, noch werden die Charaktere in irgendeiner Art und Weise plausibel beschrieben. Ich empfehle der Autorin das Buch grundlegend zu überarbeiten. Immerhin hat die Grundidee der Geschichte Potential. Es fehlt das Grundgerüst, in dem diese Idee verankert werden kann.

Der Leser hingegen tut sich mit diesem Werk keinen Gefallen.

Bewertung: ✦✧✧✧✧

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